Mecklenburg-Vorpommern ist Energieland und exportiert erneuerbaren Strom. Doch vor Ort wird der weitere Ausbau von Wind- und Solarenergie häufig mit der Frage verbunden: „Und was haben wir davon?“ Die Landtagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN will den finanziellen Nutzen für Kommunen transparent machen – damit Projekte umgesetzt werden können, Akzeptanz wächst und Wertschöpfung im Land bleibt.
„Akzeptanz entsteht durch den Nutzen vor Ort. Doch für viele Kommunen und Bürger*innen ist nicht nachvollziehbar, welche Einnahmen tatsächlich in der Gemeindekasse ankommen – und diese Unklarheit nährt Gerüchte und Fehlannahmen. Wir setzen deshalb auf überprüfbare Fakten und konkrete Beispiele“, erklärt Jutta Wegner, Parlamentarische Geschäftsführerin und energiepolitische Sprecherin der bündnisgrünen Landtagsfraktion.
Bis zu 28 Milliarden Euro Investitionen erwartet
Angesichts einer Investitionswelle von rund 26 bis 28 Milliarden Euro in den kommenden Jahren in Wind an Land und Photovoltaik – davon allein 13,4 Milliarden Euro an Projekten im Genehmigungsstau – fordern die Bündnisgrünen für MV eine wissenschaftliche Wertschöpfungsstudie, wie es sie bereits in anderen Bundesländern gibt. Denn Wertschöpfung entsteht entlang der gesamten Projektkette: von Planung und Bau über Betrieb und Wartung bis hin zur lokalen Betriebsführung.
Studie soll Wertschöpfung entlang der gesamten Projektkette aufzeigen
Konkret geht es um messbare Einnahmen und Effekte vor Ort: um Gewerbesteuern, um Zahlungen nach dem Bürger- und Gemeindenbeteiligungsgesetz sowie dem EEG, um Pachteinnahmen für kommunale und private Flächen und um Aufträge für regionale Planungsbüros, Gutachter*innen und Handwerksbetriebe – etwa beim Anlagenbau, bei Netzanschlüssen oder in der Wartung. Hierdurch steigt die Investitonskraft der Gemeinden und die Kaufkrauft der Menschen in der Region. Diese Effekte soll die Studie nachvollziehbar aufschlüsseln. Zudem soll sie sichtbar machen, an welchen Stellen Wertschöpfung bereits im Land bleibt und wo sie gezielt gestärkt werden kann. Ein Wertschöpfungsrechner für die Kommunen.
Ergänzend soll der Online-Wertschöpfungsrechner der Agentur für Erneuerbare Energien MV-spezifisch weiterentwickelt werden. „Kommunale Vertreter*innen können dann in wenigen Minuten berechnen, was ein Energieprojekt finanziell für ihre Gemeinde bedeutet“, so Wegner. „Allein die EEG-Zahlungen machen den Nutzen bereits greifbar: 0,2 Cent pro Kilowattstunde entsprechen bei einer modernen Windenergieanlage mit rund 20 Millionen Kilowattstunden Jahreserzeugung etwa 40.000 Euro pro Jahr.“ Ein begleitendes Kommunal-Toolkit soll anhand konkreter Beispiele zeigen, was zusätzliche Einnahmen in der Kommune ermöglichen – etwa Investitionen in Kitas, Schulen oder das Ehrenamt.
„Wenn Menschen sehen, dass der Ausbau vor Ort konkret die Lebensbedingungen verbessert, wächst Akzeptanz“, betont Wegner. Die Bündnisgrünen fordern daher, aus den Studienergebnissen konkrete Handlungsempfehlungen abzuleiten, um Wertschöpfungsketten weiter zu vertiefen. Über Ergebnisse und Umsetzung soll dem Landtag bis zum 1. Juli 2026 berichtet werden.
Hinweis:
Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN „Vom Energieland zum Wohlstandsland – Regionale Wertschöpfung durch erneuerbare Energien transparent machen und stärken“ (Drucksache 8/6168) vom 14.1.2026

Parlamentarische Geschäftsführerin und
energiepolitische Sprecherin