Eine Mobilitätsoffensive zu starten, ohne reale Probleme und Bedarfe zu kennen, kann nicht funktionieren. Das zeigen nun auch neue Zahlen aus der kleinen Anfrage einer CDU-Landtagsabgeordneten, die der Nordkurier heute in einem Artikel aufgriff. 2025 wurden in MV 432 Fälle überbesetzter Züge oder zurückgelassener Fahrgäste erfasst. In den Jahren davor wurden diese Zahlen nicht erhoben.
Jutta Wegner, mobilitätspolitische Sprecherin der Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen in MV, kritisiert:
„Die Mobilitätsoffensive der Landesregierung fährt wie ein Zug ohne Lokführer und Richtungsplan. Hauptsache, es ist Bewegung drin – ob sie die Probleme der Fahrgäste tatsächlich löst, scheint dabei zweitrangig zu sein. Wer den Bedarf der Fahrgäste und die Engpässe der Strecken nicht kennt, kann auch kein passendes Angebot schaffen.
Überfüllte Züge und Reisende, die an der Bahnsteigkante zurückgelassen werden, sind jährlich wiederkehrende und seit Jahren bestehende Probleme in MV, auf die auch wir bereits mehrfach hingewiesen haben. Seit Jahren gibt es Engpässe auf den immer gleichen Strecken, wirkliche spürbare Verbesserungen bleiben aus.“
„Besonders ärgerlich ist: Die einfachste Lösung, nämlich längere Züge einzusetzen, scheitert häufig an zu kurzen Bahnsteigen. Für längere Züge bräuchte man keine zusätzlichen Kapazitäten auf der Strecke und beim Personal. Dass die naheliegendste Lösung letztlich an zurückgebauter Infrastruktur scheitert, zeigt einmal mehr deutlich: Die vielen Einsparungen bei der Bahn in den letzten Jahrzehnten rächen sich jetzt bitter und fallen uns heute auf die Füße“, erklärt die mobilitätspolitische Sprecherin.
„Für die Reisenden mit übervollen Zügen bei An- oder Abreise ist nicht nur die Verzögerung ärgerlich, wenn ein Einsteigen unmöglich wird“, so Wegner. „Das Warten auf den nächsten Zug kann im schlimmsten Fall zu einer Tortur werden. Neben der Wartezeit von ein bis zwei Stunden bietet der Aufenthalt auf vielen Bahnhöfen im Land nur wenig Komfort. An den meisten Bahnhöfen fehlen Toiletten, Schatten und Sitzgelegenheiten sind häufig Mangelware und Kioske gibt es vielerorts nicht. Doch auch wer es in den Zug schafft, steht oft mehrere Stunden Schulter an Schulter mit anderen Fahrgästen auf dem Gang. Das alles kann einem bei 30 Grad den Ferienspaß gehörig verderben.“

Parlamentarische Geschäftsführerin und
verkehrspolitische Sprecherin