Sondersitzung des Bildungsausschusses // Wegner: „Die entscheidende Frage lautet nicht, wie zugespitzt Kritik formuliert wurde, sondern wie es überhaupt zu einer solchen Situation kommen konnte“

Die bildungspolitische Sprecherin und parlamentarische Geschäftsführerin der Landtagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Jutta Wegner, sieht in den Beratungen zu den Abiturergebnissen am Robert-Stock-Gymnasium Hagenow den dringenden Auftrag, die strukturellen Herausforderungen im Bildungssystem anzugehen.

„Die öffentliche Debatte hat sich bis jetzt vor allem auf die emotionale Abschlussrede einer Schülerin konzentriert. Doch das eigentliche Problem ist ein anderes: Wenn an einer Schule mehr als ein Drittel eines Abiturjahrgangs die Abschlussprüfung nicht besteht, müssen alle Alarmglocken läuten. Die entscheidende Frage lautet nicht, wie zugespitzt Kritik formuliert wurde, sondern wie es überhaupt zu einer solchen Situation kommen konnte.“

Der Bericht des Bildungsministeriums bestätigte, dass die außergewöhnlich hohe Durchfallquote weiter untersucht wird und bereits Maßnahmen zur Qualitätsentwicklung eingeleitet wurden. Gleichzeitig zeigt der Fall, dass Schulen früher und gezielter unterstützt werden müssen.

„Wir erleben seit Jahren, dass Schulen immer mehr Aufgaben übernehmen sollen, von individueller Förderung über Inklusion bis hin zur psychosozialen Begleitung junger Menschen. Gleichzeitig fehlen vielerorts die notwendigen personellen und strukturellen Voraussetzungen. Wer Bildung ernst nimmt, darf diese Entwicklung nicht länger beobachten, sondern muss sie aktiv lenken.“

Mit ihrem Antrag „Echte Bildungsreform wagen – Für ein zukunftsfähiges, inklusives und chancengerechtes Schulsystem in Mecklenburg-Vorpommern“ legte die bündnisgrüne Landtagsfraktion kürzlich ein Konzept für eine grundlegende Weiterentwicklung des Schulsystems vor. Im Mittelpunkt stehen mehr Chancengerechtigkeit, eine bedarfsgerechte Ressourcenausstattung, multiprofessionelle Teams sowie bessere Arbeitsbedingungen für Lehrkräfte und Schulleitungen.

Ergänzend hat die Fraktion nun eine Kleine Anfrage eingebracht, mit der erstmals schulgenaue Daten zu Unterrichtsausfall, Unterrichtsversorgung, und offenen Lehrerstellen sowie zur Ausstattung mit unterstützendem pädagogischem und multiprofessionellem Fachpersonal abgefragt werden.

„Wir brauchen endlich mehr Transparenz darüber, wie es unseren Schulen tatsächlich geht. Nur auf Grundlage belastbarer Daten können wir erkennen, wo Unterstützung notwendig ist und wo sich Probleme entwickeln. Gute Bildungspolitik beginnt nicht erst dann, wenn Frust öffentlich wird. Wir stehen in der Verantwortung, früher hinzuschauen und rechtzeitig zu handeln.“

Abschließend erklärt Wegner: „Hagenow darf nicht als Einzelfall abgetan werden. Der Fall zeigt, dass wir unser Bildungssystem widerstandsfähiger machen müssen. Unsere Schüler*innen haben ein Recht auf gute Lernbedingungen, faire Chancen und Schulen, die sie bestmöglich auf ihren weiteren Lebensweg vorbereiten. Statt einer Imagekampagne für unser Bildungssystem braucht es endlich Mut für eine echte Bildungsreform.“


Jutta Wegner MdL
Parlamentarische Geschäftsführerin und
bildungspolitische Sprecherin