Bündnisgrüne Fraktion fordert Bildungsreform // Wegner: „MV braucht keinen weiteren Reparaturversuch, sondern eine echte Bildungsreform“

Zur heutigen Landtagsdebatte über den Antrag „Echte Bildungsreform wagen – Für ein zukunftsfähiges, inklusives und chancengerechtes Schulsystem in Mecklenburg-Vorpommern“ erklärt Jutta Wegner, Parlamentarische Geschäftsführerin und bildungspolitische Sprecherin der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN:

„Seit Jahrzehnten wird an unserem Bildungssystem herumgedoktert. Hier ein Modellprojekt, dort eine nette Idee, da ein neues Programm. Doch die Herausforderungen in unseren Schulen wachsen schneller als die politischen Antworten. Während sich die Realität in den Klassenzimmern grundlegend verändert hat, verwaltet die Landesregierung vielerorts noch immer die Strukturen von gestern. Mecklenburg-Vorpommern braucht keinen weiteren Reparaturversuch, sondern endlich eine echte Bildungsreform.“

Strukturen aus einer anderen Zeit

Wegner verweist darauf, dass sich die Realität an den Schulen längst grundlegend verändert habe. Vielfalt und Inklusion seien heute Alltag, gleichzeitig nähmen soziale, psychische und pädagogische Herausforderungen zu. „Unser Bildungssystem passt immer weniger zu der Anforderungen und Bedürfnissen von Schüler*innen. Trotzdem arbeiten viele Schulen noch mit Strukturen aus einer anderen Zeit.“

Lehrkräfte müssten zudem immer mehr Aufgaben übernehmen, so die Bildungspolitikerin: „Von ihnen wird erwartet, dass sie gleichzeitig unterrichten, individuell fördern, soziale Krisen begleiten, psychische Belastungen auffangen und Inklusion organisieren. Das führt zu Überforderung. Wer immer neue Aufgaben auf Lehrkräfte ablädt, löst keine Probleme – er verschiebt sie nur in die Klassenzimmer. Die Politik hat viel zu lange zugeschaut, wie die Anforderungen wachsen, ohne das System entsprechend weiterzuentwickeln.“

Aufbau multiprofessioneller Teams als Regelsystem an allen Schulen

Die bündnisgrüne Fraktion fordert deshalb einen bildungspolitischen Systemwechsel. Im Mittelpunkt steht der schrittweise Aufbau multiprofessioneller Teams als Regelsystem an allen Schulen. Lehrkräfte sollen gemeinsam mit Sozialpädagog*innen, Schulpsycholog*innen sowie sonderpädagogischen Fachkräften arbeiten. „Multiprofessionelle Teams sind kein Zusatzangebot und kein pädagogisches Luxusprojekt. Sie sind die Voraussetzung dafür, dass Lehrkräfte wieder mehr Zeit für guten Unterricht haben und Kinder die Unterstützung bekommen, die sie brauchen. Sie sind die Voraussetzung dafür, dass Schule im 21. Jahrhundert funktioniert.“

„Die bisherigen Maßnahmen sind keine Strukturreform, sondern Mangelverwaltung“

Kritisch sieht Wegner die bisherigen Maßnahmen der Landesregierung. Für mehr als 600 Schulen mit insgesamt 200.000 Schüler*innen stünden derzeit lediglich rund 50 multiprofessionelle Fachkräfte zur Verfügung. „Das ist keine Strukturreform. Das ist Mangelverwaltung. Unterstützung darf nicht vom Zufall abhängig sein. Jede Schule muss auf die Fachkräfte zugreifen können, die sie braucht.“

Abschließend erklärt Wegner: „Die teuerste Entscheidung ist heute, nichts zu verändern. Schlechte Bildung kostet Chancen, Fachkräfte und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Unsere Kinder haben keine Zeit mehr für die Politik der kleinen Schritte. Wir müssen raus aus der Flickschusterei und dem dauernden Krisenmodus. Mecklenburg-Vorpommern braucht den Mut zu einem Schulsystem, das zur Realität des 21. Jahrhunderts passt – und jedem Kind die Unterstützung gibt, die es verdient.“


Hinweis:

Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Echte Bildungsreform wagen – Für ein zukunftsfähiges, inklusives und chancengerechtes Schulsystem in Mecklenburg-Vorpommern (Drucksache 8/6595) vom 20.5.2026
https://www.dokumentation.landtag-mv.de/parldok/dokument/71421


Jutta Wegner MdL
Parlamentarische Geschäftsführerin und bildungspolitische Sprecherin