Die Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der bündnisgrünen Landtagsfraktion zur Situation an den Schulen in Mecklenburg-Vorpommern offenbart erhebliche Lücken, wenn es um Transparenz und Steuerung geht. So liegen der Landesregierung für das erste Halbjahr des Schuljahres 2025/2026 keine Daten zum Unterrichtsausfall vor, da Vertretungsunterricht und Unterrichtsausfall erst nach Ende des jeweiligen Schuljahres erhoben werden. Auch eine gesonderte Erfassung darüber, in welchem Umfang Förderstunden und andere Angebote ausfallen, findet nicht statt.
„Wer Probleme an unseren Schulen lösen will, muss zunächst wissen, wo sie besonders groß sind“, erklärt Jutta Wegner, Parlamentarische Geschäftsführerin und bildungspolitische Sprecherin der bündnisgrünen Landtagsfraktion. „Ich habe die Landesregierung nach der konkreten Situation an den einzelnen Schulen gefragt – nach Unterrichtsausfall, Vertretungsstunden, Förderangeboten und der Personalsituation. Die Antwort zeigt: Bei zentralen Fragen fehlt dem Land der notwendige aktuelle und differenzierte Überblick.“
Für Wegner ist dabei besonders problematisch, dass nicht erfasst wird, ob und in welchem Umfang Förderangebote tatsächlich ausfallen. „Es reicht nicht, Stunden und Budgets auf dem Papier bereitzustellen. Entscheidend ist, ob die Kinder den Unterricht und die Förderung, die sie brauchen, auch tatsächlich bekommen. Gerade dort, wo Kinder besondere Unterstützung benötigen, dürfen wir nicht im Blindflug unterwegs sein und sollten anhand aktueller Daten nachjustieren können.“
„Darum fordern wir eine bessere und transparentere Erfassung der tatsächlichen Unterrichtsversorgung und des Unterrichtsausfalls. Dafür müssen vorhandene Daten sinnvoller genutzt und Probleme frühzeitiger sichtbar gemacht werden, ohne den Schulen zusätzliche Bürokratie aufzubürden. Lehrkräfte, Eltern und Schülerinnen und Schüler wissen oft sehr genau, wo es im Alltag hakt. Aufgabe der Landesregierung ist es, diese Probleme nicht erst dann wahrzunehmen, wenn sie eskalieren“, so Wegner. „Wir brauchen eine Bildungspolitik, die genauer hinschaut und Unterstützung gezielt dorthin bringt, wo sie gebraucht wird. Das ist für uns eine Frage der Bildungsgerechtigkeit.“
Hintergrund:
Die Landesregierung teilt in ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage mit, dass die Erhebung von Vertretungsunterricht und Unterrichtsausfall ausschließlich jährlich nach Ende des jeweiligen Schuljahres erfolgt. Eine fach- oder förderstundenbezogene Erhebung findet nach Angaben der Landesregierung nicht statt.
Zur Kleinen Anfrage der bündnisgrünen Landtagsfraktion MV „Schulbetrieb unter Druck – Offene Stellen von Lehrkräften, unterstützendem pädagogischen und multiprofessionellem Fachpersonal sowie aktueller Unterrichtsausfall“ (Drucksache 8/6775): https://www.dokumentation.landtag-mv.de/parldok/dokument/72055

Parlamentarische Geschäftsführerin und
bildungspolitische Sprecherin