Überlastetes Schienennetz, fehlende Daten // Wegner: „Wir brauchen ein besseres Monitoring der Bahnverbindungen“

Die Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der bündnisgrünen Landtagsabgeordneten Jutta Wegner zu den Umleitungen infolge der Generalsanierung der Bahnstrecke Hamburg–Berlin zeigt: Die Probleme im Bahnverkehr sind bekannt, werden aber nicht ausreichend erfasst – und damit auch nicht konsequent gelöst.

Zwar wurden zusätzliche Kapazitäten, insbesondere zwischen Bad Kleinen und Lübeck, bereitgestellt. Gleichzeitig stößt die Infrastruktur an ihre Grenzen. Regelmäßige Verspätungen und verpasste Anschlüsse sind die Folge. Die Landesregierung räumt selbst ein, dass Anschlussverluste nicht systematisch erhoben werden. Auch zur tatsächlichen Auslastung liegen lediglich manuelle Stichproben vor.

Infrastruktur am Limit: Verspätungen und Anschlussverluste

Dazu erklärt Wegner: „Die Landesregierung beschreibt einen Verkehr an der Belastungsgrenze, zieht daraus aber die falschen Konsequenzen. Wenn ein Ersatzkonzept nur mit knappen Puffern funktioniert, darf man nicht durch Wegsehen resignieren und verpasste Anschlüsse nicht erfassen. Wer zusätzliche Umstiege organisiert, muss auch systematisch auswerten, ob sie für die Fahrgäste funktionieren.“

Die Verbindungen zwischen Rostock und Hamburg sowie zwischen Rostock und Schwerin verkehren während der Sperrung häufiger als im Regelangebot. Zusätzliche Kapazitäten treffen jedoch auf eine unzureichende Infrastruktur und erfordern im Regionalverkehr zusätzliche Umstiege. Besonders belastet ist der Abschnitt zwischen Bad Kleinen und Lübeck.

Engpass Bad Kleinen–Lübeck verschärft die Lage

Wegner weiter: „Der Engpass zwischen Lübeck und Bad Kleinen ist seit Jahren bekannt: Die Strecke ist eingleisig, nicht elektrifiziert und entsprechend störanfällig. Dass es hier zu massiven Anschlussproblemen kommt – gerade zu Spitzenzeiten freitags und sonntags –, war absehbar. Fahrgäste stehen oft Hilfe suchend und ratlos am Bahnsteig. Die verpassten Anschlüsse nicht zu erfassen, ist eine Missachtung der Reisenden. Bahn und Land müssen die Perspektive der Bahnkund*innen endlich in den Mittelpunkt stellen und gezielt nachsteuern.“

Kurzsichtige Entscheidungen der Vergangenheit wirken bis heute nach

Die aktuelle Lage macht zudem strukturelle Defizite deutlich: In den vergangenen Jahren wurden Gleise zurückgebaut und Kapazitäten reduziert. Das wirkt sich heute spürbar aus – sowohl im Personenverkehr als auch bei der Anbindung der Häfen.

Die verkehrspolitische Sprecherin der Fraktion fordert: „Die Engpässe sind auch Folge kurzsichtiger Entscheidungen der Vergangenheit. Das Land muss sich jetzt konsequent für Investitionen in die Bahninfrastruktur einsetzen und gegenüber der Bahn sowie auf Bundesebene deutlich mehr Druck machen. Der Bau der Kurve Bad Kleinen ist ein wichtiger Schritt, um für Entlastung zu sorgen, darf aber nicht der einzige für ein resilientes Bahnnetz in MV sein.“

Mehr Verlässlichkeit durch Monitoring und Investitionen

Für künftige Baustellen fordert Wegner ein Umdenken: Kapazitäten allein reichen nicht aus; entscheidend ist die tatsächliche Verlässlichkeit für die Fahrgäste. „Wir brauchen von Beginn an ein Monitoring, das zeigt, ob Verbindungen wirklich funktionieren. Der Maßstab muss der Fahrgast sein.“

Auch über die Bauphase hinaus sieht Wegner Handlungsbedarf: „Die bekannten Spitzenzeiten sind planbar. Statt mit Regionalisierungsmitteln millionenschwer einzelne Verbindungen zurückzukaufen, sollte das Land gezielt in ein verlässlicheres und dichteres Angebot auf der gesamten Achse investieren – spätestens bei der nächsten Vergabe des Teilnetzes Ostseeküste-West. Auf der Verbindung Rostock–Hamburg sollte perspektivisch ein Stundentakt erreicht werden.“


Hinweis:

Kleine Anfrage der Abgeordneten Jutta Wegner/Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Antwort der Landesregierung (Drucksache 8/6304) vom 10.04.2026:
https://www.dokumentation.landtag-mv.de/parldok/dokument/70480


Jutta Wegner MdL
Parlamentarische Geschäftsführerin und
mobilitätspolitische Sprecherin