Die mobilitätspolitische Sprecherin der Landtagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Mecklenburg-Vorpommern kritisiert die wiederkehrende Überlastung des Bahnverkehrs rund um Feiertage deutlich: „Jedes Jahr das gleiche Schauspiel an den Feiertagen: volle Züge, überforderte Strukturen und anschließend die Verblüffung. Man reibt sich verwundert die Augen, obwohl längst klar ist, was passiert. Die alljährliche Überraschung des hohen Fahrgastaufkommens ist längst keine mehr“, so Wegner. Mit Blick auf Bad Kleinen ergänzt sie: „Wenn ein Stellwerk plötzlich nicht besetzt ist, zeigt das kein unvorhersehbares Ereignis, sondern fehlende Vorsorge. Personal kann ausfallen, aber genau dafür braucht es belastbare Reserven. Bevor für diese nicht gesorgt ist, ist man vor Ausfällen dieser Art nicht ausreichend geschützt.“
„Dass Fahrgäste im Zweifel stundenlang ohne Versorgung, ohne Wetterschutz und ohne verlässliche Informationen stranden, ist kein neues Problem, sondern seit Jahren bekannt“, so Wegner. „Und trotzdem wird weiter so getan, als ließe sich das organisatorisch nicht auffangen. Schon vor anderthalb Jahren in Pasewalk schob das Land die Zuständigkeit für gestrandete Fahrgäste an die Bahn ab. Mir ist völlig schleierhaft, warum die Verträge mit der Bahn da nicht verbindliche Regelungen enthalten.“
Im Kern, so die mobilitätspolitische Sprecherin, liegt das Problem im System selbst: „Es wird beharrlich behauptet, auf Höchstauslastungen könne man nicht planen, weil sonst dauerhaft über Bedarf bestellt würde. Dieses Argument greift zu kurz. Es geht nicht um Dauer-Überkapazitäten, sondern um flexible und verlässlich abrufbare Zusatzangebote für absehbare Spitzenzeiten. Das derzeitige Ausschreibungssystem bildet das nicht ab. Es kalkuliert Bedarfe im Durchschnitt und ignoriert die Realität. Feiertage und lange Wochenenden sind keine Zufälle, sondern planbare Nachfrage-Höchstzeiten. Ein erster Schritt dorthin sind die mit der Mobilitätsoffensive bestellten zusätzlichen Züge. Doch bis jetzt ist diese Besserung nur ein Tropfen auf den heißen Stein, der bei Spitzenauslastungen, wie sie dieses Wochenende zum Glück noch nicht erreicht wurden, keine allzu große Abhilfe schafft. Es muss endlich möglich sein, nachzusteuern.“
„Am Ende zahlen die Fahrgäste den Preis“, so Wegner. „Nicht nur Tourist*innen, sondern auch Pendler*innen oder Menschen, die über die Feiertage ihre Familien besuchen wollen. Niemand will von Berlin bis Fürstenberg im Gang stehen, und für Menschen mit Fahrrädern, Kinderwagen oder Mobilitätseinschränkungen wird die Fahrt schnell zur Zumutung.“
Mit Blick auf steigende Spritpreise warnt die mobilitätspolitische Sprecherin: „Viele wollen aus der fossilen Kostenfalle aussteigen. Aber wenn die Bahn eher wie eine Strafe als wie eine komfortable Alternative wirkt, läuft etwas grundlegend falsch.“ Abschließend fordert Wegner: „Gerade vor Himmelfahrt und auf stark frequentierten Strecken Richtung Seenplatte oder Küste darf es dieses ritualisierte Achselzucken nicht mehr geben. Die Nachfrage ist absehbar, also muss endlich auch so geplant werden.“

Parlamentarische Geschäftsführerin und
mobilitätspolitische Sprecherin