Gestern war Jutta Wegner, bildungspolitische Sprecherin der Landtagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Mecklenburg-Vorpommern, in Schwerin zu Gast auf der regionalen „Kita-Zukunftskonferenz“ von GEW und Kita-Landeselternrat.
Die Politikerin sieht die frühkindliche Bildung als entscheidenden Faktor für die Zukunftsfähigkeit des Landes. „Die Kita-Debatte wird derzeit oft auf Kosten, Zuständigkeiten oder einzelne Qualitätsfragen verengt. Dabei geht es um viel mehr: Es geht darum, welche Gesellschaft wir in Zukunft sein wollen. Die Kinder von heute sind die Fachkräfte, Gründerinnen, Demokratinnen und Gestalter von morgen. Der Grundstein dafür wird in der Kita gelegt“, erklärt Wegner.
„Bildung beginnt nicht in der Schule, sondern in der Kita“
MV könne es sich nicht leisten, bei der frühkindlichen Bildung zu sparen. Gute Kitas seien kein sozialpolitisches Extra, sondern eine zentrale Investition in wirtschaftliche Stärke, Innovationsfähigkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt. „Wer will, dass unser Land im Wettbewerb um Fachkräfte besteht, dass neue Ideen entstehen und dass Demokratieverständnis und Umweltbewusstsein wachsen, der muss bei den Kleinsten anfangen. Bildung beginnt nicht in der Schule, sondern in der Kita.“
Wegner begrüßt den Gesetzentwurf der Initiative zur Verbesserung der Personalschlüssel in den Kitas ausdrücklich: „Die Forderungen stimmen in weiten Teilen mit unseren Überzeugungen überein, deshalb unterstützen wir den Vorstoß. Dass Praxis, Eltern und Beschäftigte gemeinsam Lösungen entwickelt haben, zeigt, wie groß der Handlungsdruck ist und wie tragfähig der Vorschlag sein kann“, so Wegner.
Bund soll Finanzierung ausbauen
Zugleich macht Wegner deutlich, dass die Finanzierung der frühkindlichen Bildung neu gedacht werden muss: „Frühkindliche Bildung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Wir brauchen deshalb eine deutlich stärkere Beteiligung des Bundes und ein langfristiges Finanzierungskonzept.“ Auch das Land sieht Wegner in der Pflicht: Die Bundesmittel aus dem Gute-Kita-Gesetz und dem Kita-Qualitätsgesetz wurden bislang nur begrenzt für Qualitätsverbesserungen eingesetzt.
Auch deshalb ist die Situation in den Kitas derzeit angespannt: MV hat zwar eine hohe Betreuungsquote und beitragsfreie Kitas, ist aber im bundesweiten Vergleich bei den Fachkraft-Kind-Relationen seit vielen Jahren Schlusslicht. Sinkende Kinderzahlen führen aktuell nicht zu besseren Bedingungen, sondern zu Personalabbau, Fachkräfteverlust und Druck auf die Einrichtungen.
Demografischen Wandel als Chance nutzen
Der Gesetzentwurf der Initiative gebe wertvolle Impulse, ersetze jedoch nicht den versprochenen Stufenplan der Landesregierung, den sie bis heute schuldig geblieben ist, so Wegner. „Der Plan verbindet Fachkräftesicherung mit Qualitätsverbesserung, schafft Planungssicherheit für Einrichtungen und wird deshalb dringend gebraucht. Er muss mit den verschiedenen Interessengruppen erarbeitet werden – nur dann kann er erfolgreich umgesetzt werden.“
Wegner abschließend: „Jetzt ist die Chance, endlich kindgerechte Betreuungsschlüssel zu erreichen und den demografischen Wandel aktiv für Qualitätssteigerungen zu nutzen!“
Hintergrund:
Gute frühkindliche Bildung wirkt weit über die Kita hinaus – für Kinder, Familien, Fachkräfte, Wirtschaft und Gesellschaft. Kinder profitieren von individueller Förderung, entwickeln soziale Kompetenzen und legen die Grundlage für ihre Bildungsbiografie. Gut ausgestattete Kitas ermöglichen Fachkräften weniger Überlastung, mehr Zeit für pädagogische Arbeit und langfristige Gesundheit. Familien erhalten verlässliche Betreuungsangebote, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stärken. Für die Wirtschaft bedeutet dies Fachkräftesicherung, höhere Erwerbstätigkeit und Innovationskraft. Und die Gesellschaft insgesamt gewinnt an Chancengerechtigkeit, Integration und sozialer Stabilität.
Studien belegen klar, wie entscheidend ausreichend Fachpersonal und kleine Gruppen für die Entwicklung der Kinder sind: Für unter Dreijährige zeigt sich eine optimale Fachkraft-Kind-Relation von 1:3 bis 1:4, während für Kinder von drei bis sechs Jahren 1:8 bis 1:10 empfohlen werden. Günstige Betreuungsverhältnisse fördern soziale, emotionale und kognitive Kompetenzen und wirken sich auch positiv auf die Erwerbstätigkeit aus. Kleine Gruppen und ausreichend qualifiziertes Personal erhöhen die Qualität der pädagogischen Arbeit und schaffen eine sichere, vertrauensvolle Umgebung für Kinder.
Diese Standards sind auch gesetzlich verankert: § 45 SGB VIII fordert ausreichend qualifiziertes Personal zur Sicherung des Kindeswohls. Art. 14 der Verfassung Mecklenburg-Vorpommerns verpflichtet Land und Kommunen, Kinder umfassend zu schützen und geeignete Betreuungsangebote bereitzustellen. Auch die Kinderrechtskonvention schreibt vor, dass Einrichtungen fachlich qualifiziertes Personal einsetzen und angemessen ausgestattet sein müssen, damit jedes Kind die bestmögliche Förderung erhält.

Parlamentarische Geschäftsführerin und
bildungspolitische Sprecherin