Wir sehen es inzwischen überall im Land: Handwerksbetriebe, Pflegeeinrichtungen, Bauunternehmen, Hotellerie und Industrie suchen händeringend nach Fachkräften. Aufträge können nicht angenommen werden, Investitionen werden verschoben und gute Ideen bleiben liegen, weil Menschen fehlen, die die Arbeit machen. Viele erfahrene Beschäftigte gehen in den Ruhestand, während deutlich weniger junge Menschen nachrücken. In den kommenden Jahren wird dadurch eine massive Fachkräftelücke in Mecklenburg-Vorpommern entstehen.
Vor diesem Hintergrund hat die Landtagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN einen Antrag eingebracht, der konkrete Schritte fordert, um die berufliche Integration Zugewanderter spürbar zu verbessern.
Bis 2030 werden 59.000 Arbeitskräfte in MV fehlen
Die wirtschaftspolitische Sprecherin der bündnisgrünen Landtagsfraktion, Jutta Wegner, erklärt: „Wer Fachkräfte gewinnen und halten will, muss Integration endlich verlässlich organisieren – mit berufsbezogenen Sprachkursen, schneller Anerkennung von Abschlüssen und Anlaufstellen im ganzen Land.“ Nach aktuellen Prognosen fehlen in Mecklenburg-Vorpommern bis 2030 rund 59.000 Arbeitskräfte, darunter etwa 51.000 Fachkräfte. „Angesichts dieser Zahlen ist klar: Wir sind auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen“, so Wegner.
Viele Zugewanderte wollen arbeiten und ankommen, scheitern aber zu oft an fehlender Infrastruktur. Passende berufsbezogene Sprachkurse sind nicht überall verfügbar, Anerkennungsverfahren dauern zu lange und Beratungsangebote stehen immer wieder auf der Kippe. „Wenn Sprache erst nach dem Job kommt, geht uns Integration im Arbeitsalltag verloren“, warnt Wegner. Der Antrag fordert deshalb ein flächendeckendes Angebot an fach- und berufsspezifischen sowie berufsbegleitenden Sprachkursen und eine verlässliche Stärkung von Teil- und Nachqualifizierungen.
Ein weiteres Nadelöhr ist die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse. Wegner drängt auf Tempo und Verlässlichkeit: „Wir können es uns nicht leisten, dass Qualifikationen in der Warteschleife hängen.“ Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung soll dauerhaft abgesichert und Kosten etwa für Übersetzungen oder notwendige Nachqualifizierungen gezielt übernommen werden.
„Integration ist Standortpolitik“
Auch die Welcome Center im Land spielen aus Sicht der Bündnisgrünen eine Schlüsselrolle bei der Fachkräftesicherung. Sie sollen langfristig finanziert, besser verzahnt und nach einheitlichen Standards weiterentwickelt werden. „Beratung und Begleitung dürfen nicht vom Haushaltsjahr abhängen – sie sind der Türöffner in Ausbildung und Beruf“, so Wegner.
Viele Unternehmen machten sich angesichts der politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen sorgen, ob sie künftig genug Personal finden und binden können. In der Aussprache machte Wegner deutlich: „Integration ist Standortpolitik, die uns alle angeht: im Betrieb, in der Verwaltung, in der Schule, im Verein und in der Nachbarschaft. Dort entscheidet sich, ob Menschen bleiben und hier wirklich ankommen.“
Hinweis:
Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN „Fachkräftesicherung als Standortfaktor für Mecklenburg-Vorpommern – Berufliche Integration und Qualifizierung jetzt verbessern“ (Drucksache 8//5421) vom 29.10.2025:
https://www.dokumentation.landtag-mv.de/parldok/dokument/67548/8_5421_fachkraeftesicherung_als_standortfaktor_fuer_mecklenburg_vorpommern_berufliche_integration_und_qualifizierung_jetzt_verbessern

Parlamentarische Geschäftsführerin und
wirtschaftspolitische Sprecherin