„MV kann schwimmen“ – Viel Kampagne, wenig Fortschritt // Wegner: „Beim Schwimmenlernen zählen keine Kampagnen, sondern Kinder, die am Ende der Grundschule sicher schwimmen können.“

Mit „MV kann schwimmen“ hat die Landesregierung und besonders Ministerin Oldenburg in den vergangenen Jahren viel Aufmerksamkeit auf das Schwimmenlernen von Kindern gelenkt. Zahlen, die uns nun mittels einer kleinen Anfrage vorliegenden zeigen jedoch: Ein nachhaltiger Durchbruch ist bislang nicht erkennbar. Zwischen 2022 und 2025 nahmen insgesamt 2.909 Kinder an zusätzlichen Schwimmkursen des Landesprogramms teil. Nach 1.272 Kindern im Startjahr 2022 waren es 2023 nur noch 489, 2024 613 und 2025 lediglich 535.

.Jutta Wegner, bildungspolitische Sprecherin der bündnisgrünen Landtagsfraktion MV, erklärt:

„Die Ministerin hat beim Thema Schwimmenlernen eine große Kampagne aufgelegt. Jetzt liegen die finalen Zahlen vor und die Bilanz ist ernüchternd. Wir müssen uns fragen, ob hier wirklich die richtigen Instrumente eingesetzt wurden oder ob vor allem viel über das Thema gesprochen wurde.“

Noch immer können viele Kinder nicht sicher schwimmen

Zum Ende des Schuljahres 2024/2025 konnten landesweit 13,8 Prozent der Kinder an öffentlichen Grundschulen nicht schwimmen. In der Mecklenburgischen Seenplatte waren es 17 Prozent, in Nordwestmecklenburg sogar 20,4 Prozent.

Dabei gab es an den meisten öffentlichen Grundschulen Schwimmunterricht: 175 Schulen boten wöchentlichen, weitere 86 kompakten Schwimmunterricht an. Neun Grundschulen boten keinen Schwimmunterricht an. In der Mecklenburgischen Seenplatte waren es 17 Schulen mit wöchentlichem und 25 mit kompaktem Schwimmunterricht.

Von den 12.756 Schülerinnen und Schülern der vierten Klassen, die 2024/2025 am Schwimmunterricht teilnahmen, verfügten nur 46,3 Prozent über die Kompetenzen für sicheres Schwimmen. Das entspricht 5.912 Kindern.

„Der entscheidende Punkt ist: Wir dürfen Erfolg nicht daran messen, wie sichtbar eine Kampagne ist, sondern daran, ob mehr Kinder sicher schwimmen können. Und da zeigen die Zahlen eben noch immer eine erhebliche Lücke“, so Wegner. „Wenn trotz regulärem Schwimmunterricht und einer viel beworbenen Landesförderung noch immer 17 Prozent der Viertklässlerinnen und Viertklässler in der Seenplatte nicht schwimmen können, dann reicht es nicht, die nächste Kampagne zu starten. Wir brauchen eine ehrliche Bestandsaufnahme und eine dauerhaft verlässliche Struktur. Bislang hat die Landesregierung nur erfasst, wie viele Kinder einen Kurs besucht haben – nicht, ob sie dadurch tatsächlich sicher schwimmen können, wie es die Kampagne verspricht.“

Versorgungslücken nicht erfasst

Nach eigener Aussage weiß die Landesregierung nicht, ob und in welchem Umfang „MV kann schwimmen“ fehlende Wasserzeiten, personelle Engpässe oder ausgefallene reguläre Angebote kompensiert. Auch Erkenntnisse zu Wartelisten und Versorgungsengpässen bei privaten Schwimmkursen liegen nicht vor.

„Das Land weiß offenbar nicht, wo die Engpässe liegen – und gleichzeitig wird eine Kampagne als große Lösung präsentiert. Das ist mir zu wenig. Wir brauchen verlässliche Wasserzeiten, ausreichend Schwimmlehrerinnen und Schwimmlehrer und einen Zugang für jedes Kind, unabhängig vom Wohnort und vom Geldbeutel der Eltern. Es war ein wichtiger Schritt, auf die hohen Nichtschwimmerquoten aufmerksam zu machen. Jetzt darf das eigentliche Ziel von „MV kann schwimmen“ nicht für eine Erfolgserzählung in Vergessenheit geraten: sicherzustellen, dass Kinder in MV sicher schwimmen können.

Schwimmenlernen muss Teil einer verlässlichen Bildungs- und Daseinsvorsorge sein und darf nicht von einzelnen Projekten oder Kampagnen abhängen. Gerade in Mecklenburg-Vorpommern mit seinen unzähligen Seen, Flüssen und Küsten ist Schwimmfähigkeit eine elementare Kompetenz. Jedes Kind sollte am Ende der Grundschule sicher schwimmen können. Dafür brauchen wir weniger Kampagnen und mehr dauerhaft gesicherte Schwimmangebote.“


Hintergrund

Kleine Anfrage von Bündnis 90/Die Grünen an die Landesregierung: Schwimmfähigkeit von Kindern in Mecklenburg-Vorpommern (8/6676): 
https://www.dokumentation.landtag-mv.de/parldok/dokument/71821


Jutta Wegner MdL
Parlamentarische Geschäftsführerin und
bildungspolitische Sprecherin