Die Landtagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Mecklenburg-Vorpommern fordert heute in einem Antrag deutlich stärkere Maßnahmen zum Schutz der Ostsee und ihrer Meeresbewohner.
Der umweltpolitische Sprecher, Dr. Harald Terpe, erklärt: „Der gestrandete Buckelwal hat viele Menschen bewegt. Dieses Mitgefühl zeigt, wie wichtig uns der Schutz von Meerestieren ist. Aber wir dürfen nicht beim Einzelfall stehen bleiben: Der Zustand unserer Ostsee insgesamt ist alarmierend. Wenn wir jetzt nicht handeln, verlieren wir wertvolle Lebensräume und bedrohte Arten unwiederbringlich.“
Ökosystem Ostsee kippt: Lärm, Vermüllung, Überfischung und tonnenweise Dünger
Die Ostsee zählt zu den am stärksten belasteten Meeren weltweit. Überfischung entzieht Walen und anderen Meerestieren zunehmend die Nahrungsgrundlage. Hinzu kommen steigende Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft, Plastikmüll, Altmunition, Unterwasserlärm und der Temperaturanstieg des Wassers. Große Bereiche leiden bereits unter Sauerstoffmangel – es entstehen sogenannte Todeszonen, in denen kein Leben mehr möglich ist. Die Klimakrise verschärft all diese Entwicklungen zusätzlich.
Besonders dramatisch ist die Lage für den Schweinswal, die einzige heimische Walart der Ostsee. In der zentralen Ostsee leben nur noch rund 500 Tiere. Hauptursache für ihr Sterben ist der Beifang in Stell- und Geisternetzen.
Fraktion fordert Stellnetzverbot, wirksame Schutzgebiete und professionelles Walrettungsteam
„Schutzgebiete dürfen nicht nur auf dem Papier existieren“, so Terpe weiter. „Wir brauchen klare Regeln, wirksame Kontrollen und Ruhezonen für Meerestiere.“ Deshalb fordert die Fraktion unter anderem Nullnutzungszonen in sensiblen Bereichen sowie ein ganzjähriges Stellnetzverbot in Schutzgebieten. Gleichzeitig soll die Fischerei bei der Umstellung auf alternative, beifangarme Fangmethoden unterstützt werden.
Der Antrag greift zudem die Erfahrungen aus der Strandung des Buckelwals auf. „Der Fall hat gezeigt, dass Deutschland auf solche Ausnahmesituationen bislang nur unzureichend vorbereitet ist“, erklärt Terpe. „Deshalb brauchen wir künftig ein spezialisiertes Team, das schnell, koordiniert und auf Grundlage klarer tierschutzfachlicher und wissenschaftsbasierter Leitlinien handeln kann.“ Die Forschung geht davon aus, dass aufgrund der Klimakrise Walstrandungen häufiger vorkommen werden.
Aus MV fließen jährlich 14.000 Tonnen Stickstoff in die Ostsee
Die Ursachen für den schlechten Zustand der Ostsee müssten endlich konsequent bekämpft werden, so Terpe. „Allein aus der Landwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern gelangen jedes Jahr mehr als 14.000 Tonnen Stickstoff über Zuflüsse in die Ostsee. Deshalb brauchen wir endlich eine wirksame Düngepolitik. Doch genau diese hat Till Backhaus in der Vergangenheit immer wieder ausgebremst.“
Kritik an Backhaus: „Erst große Worte, aber dann großer Widerstand gegen konsequente Maßnahmen“
Mit Kritik reagiert Terpe auf die Meldung, dass sich Mecklenburg-Vorpommern auf der aktuellen Umweltminister*innenkonferenz gegen ein Stellnetzverbot in Schutzgebieten stellen will – anders als andere Bundesländer. „Hier zeigt sich das alte Muster von Herrn Backhaus: Erst große Worte, aber dann großer Widerstand gegen konsequente Maßnahmen“, so Terpe. „Die Begründung, man müsse erst einmal das Beifangrisiko prüfen, ist reine Zeitschinderei. Die Gefahr von Stellnetzen für Schweinswale ist seit Jahren bekannt.“
Terpe abschließend: „Viel entscheidender als die PR-Bilanz der vergangenen Wochen sind die großen Versäumnisse in der Umwelt- und Agrarpolitik, die Herr Backhaus nach fast drei Jahrzehnten im Amt hinterlässt. Wenn sich der ‚Walminister‘ glaubhaft für Meeresbewohner einsetzen will, darf er nicht erst bei einer Strandung aktiv werden – sondern muss vor allem ihren Lebensraum konsequent schützen.“
Hinweis:
Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
„Ostsee als Lebensraum erhalten und stärken – Meerestiere schützen“ (Drucksache 8/6474) vom 22.4.2026
https://www.dokumentation.landtag-mv.de/parldok/dokument/71082

stellvertretender Fraktionsvorsitzender und tierschutzpolitischer Sprecher