Mit 18 auf sich allein gestellt: Fraktion fordert bessere Unterstützung für Care Leaver // Shepley: „Die Jugendhilfe endet, Eltern hingegen hat man ein Leben lang“

Junge Menschen, die in der Jugendhilfe aufgewachsen sind, stehen beim Übergang ins Erwachsenenleben oft plötzlich allein da. Die Bündnisgrünen im Landtag Mecklenburg-Vorpommern wollen das ändern und bringen in dieser Woche einen Antrag zur besseren Unterstützung von sogenannten Care Leavern ein.

Anne Shepley, sozialpolitische Sprecherin der Fraktion, warnt: „Wir dürfen junge, oft traumatisierte Menschen nach Erreichen der Volljährigkeit nicht einfach fallen lassen – doch genau das passiert noch immer viel zu häufig. Ohne klare Standards für die weiterführende Begleitung bedeutet der Start ins Erwachsenenleben für viele Care Leaver vor allem eines: große Unsicherheit.“

Der Kontrast zur Lebensrealität Gleichaltriger ist deutlich: Während junge Menschen in Deutschland im Durchschnitt erst mit 23,8 Jahren von zu Hause ausziehen, endet die Unterstützung in der staatlichen Jugendhilfe häufig bereits mit 18 Jahren.

Care Leaver sind junge Menschen, die in Wohngruppen oder Pflegefamilien aufgewachsen sind und mit Erreichen der Volljährigkeit in die Selbstständigkeit starten müssen – meist ohne familiären Rückhalt. Während Gleichaltrige weiterhin Unterstützung durch ihre Eltern erhalten, bricht diese Hilfe für sie oft abrupt weg.

Die Jugendhilfe endet, Eltern hingegen hat man ein Leben lang“

„Einen Haushalt führen, Bewerbungen schreiben, mit der Krankenkasse kommunizieren, eine stabile finanzielle Grundlage aufbauen – all das muss man plötzlich allein bewältigen. Man ist von Amts wegen in dieser herausfordernden Lebensphase komplett auf sich gestellt. Die Jugendhilfe endet, Eltern hingegen hat man ein Leben lang“, so Shepley. Dabei gelten Care Leaver als besonders vulnerable Gruppe. Sie waren in der Kindheit häufiger von Misshandlung und Vernachlässigung betroffen und haben ein erhöhtes Risiko für psychische Erkrankungen sowie für soziale und berufliche Instabilität.

Steigende Fallzahlen im Kinderschutz, mehr Care Leaver

Strukturell wächst der Druck auf das Hilfesystem. Die Zahl der beendeten Hilfen in der Vollzeitpflege ist von 73 im Jahr 2010 auf 134 im Jahr 2024 gestiegen. Gleichzeitig nahm die Belastung im Kinderschutz zu: Die Gefährdungseinschätzungen der Jugendämter stiegen von 5.256 Fällen im Jahr 2023 auf 5.502 Fälle im Jahr 2024. Zudem wurden mehr Fälle akuter oder latenter Kindeswohlgefährdung festgestellt.

Vor diesem Hintergrund warnt die Sozialpolitikerin auch vor möglichen Einschränkungen auf Bundesebene bei der Nachbetreuung junger Volljähriger. Diese würden bestehende Lücken weiter verschärfen und Unterstützung noch stärker vom Einzelfall abhängig machen.

Fraktion fordert Nachbetreuung und feste Anlaufstellen für Care Leaver

Um dem entgegenzuwirken, fordert die bündnisgrüne Landtagsfraktion ein landesweites Übergangsmanagement, eine verbindliche Nachbetreuung sowie feste Anlaufstellen für Care Leaver in allen Regionen. „Mecklenburg-Vorpommern muss hier Verantwortung übernehmen und verbindliche Mindeststandards setzen“, betont Shepley. „Es geht um eine einfache, aber entscheidende Frage: Geben wir diesen jungen Menschen eine echte Chance auf Stabilität im Leben – oder lassen wir sie weiterhin allein?“


Hinweis:

Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN „Care Leaver in Mecklenburg-Vorpommern stärken – Übergänge verlässlich gestalten und strukturell verankern“ (Drucksache 8/6475) vom 22.4.2026:
https://www.dokumentation.landtag-mv.de/parldok/dokument/71083


Anne Shepley MdL
sozialpolitische Sprecherin