Neues Gaskraftwerk in Rostock? // Wegner: „Gaskraftwerke als Standardantwort auf Fragen der Versorgungssicherheit und Netzstabilität zementieren fossile Abhängigkeiten“

In Rostock wird über den Neubau eines Gas- bzw. „wasserstofffähigen“ Kraftwerks diskutiert. Hintergrund sind Debatten über zusätzliche gesicherte Leistung im ostdeutschen Netzgebiet, auf die auch 50Hertz verweist. Kaum  werden erste Details zur Kraftwerksstrategie des Bundes bekannt, bringt sich zugleich das Wirtschaftsministerium unter Wirtschafts- und Energieminister Dr. Wolfgang Blank mit der Forderung nach einem Standort in Mecklenburg-Vorpommern in Stellung.

Bündnisgrüne Fraktion fordert transparente Bedarfsdarlegung

Jutta Wegner, energiepolitische Sprecherin der Landtagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, fordert die Landesregierung auf, die Debatte zu versachlichen: „Bevor Minister Blank in Berlin für zusätzliche fossile Kapazitäten wirbt oder Standortentscheidungen vorbereitet, muss das Land transparent darlegen, welcher konkrete Bedarf in Mecklenburg-Vorpommern besteht und welche Alternativen geprüft wurden.“ Wegner warnt davor, Aussagen von 50Hertz zu Systembedarfen im ostdeutschen Netzgebiet als Standortargument für Rostock zu missbrauchen: Daraus folge weder automatisch ein Neubau in Rostock noch eine fossile Dauerlösung.

Flexibilität statt fossiler Dauerläufer

Entscheidend sei, ob ein Projekt Netzengpässe tatsächlich entlaste, Systemkosten senke und als flexible Reserve diene – oder ob es als fossiler Dauerläufer zusätzliche Redispatch-Kosten erzeuge. „Wer jetzt ein neues Gaskraftwerk als Standardantwort auf Fragen der Versorgungssicherheit und Netzstabilität plant, zementiert fossile Abhängigkeiten und treibt die Systemkosten nach oben. Die eigentliche Aufgabe ist, Strom- und Wärmesystem endlich flexibel zu machen“, erklärt Wegner.

Wasserstofffähige Technik als Voraussetzung für neue Reservekapazitäten

„Wenn überhaupt über neue Reservekapazitäten gesprochen wird, dann nur für echte Systemflexibilität – mit von Anfang an wasserstofffähiger Technik und einem klaren, überprüfbaren Umstiegspfad auf grünen Wasserstoff. Nur so kann ein möglicher Neubau den Wasserstoffhochlauf stützen, statt ihn auszubremsen.“

Für die Kraftwerksstrategie des Bundes bedeutet das aus Sicht der bündnisgrünen Fraktion: Versorgungssicherheit muss so organisiert werden, dass von Beginn an auch klimaneutrale Technologien an den Ausschreibungen teilnehmen können. Speicher und flexible Erneuerbare Energien müssen gleichrangig berücksichtigt werden; Ausschreibungskriterien dürfen diese Optionen nicht faktisch ausschließen oder neue Gaskraftwerke strukturell bevorzugen. Standortentscheidungen müssen sich an klaren, überprüfbaren Kriterien orientieren.


Jutta Wegner MdL
Parlamentarische Geschäftsführerin und
energiepolitische Sprecherin