Zur Meldung, dass die 2021 abgebrannte Schweinezuchtanlage in Alt Tellin nicht wieder aufgebaut wird, erklärt Dr. Harald Terpe, tierschutzpolitischer Sprecher der Landtagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Mecklenburg-Vorpommern:
„Dass die Schweinezuchtanlage in Alt Tellin nicht wieder aufgebaut wird, ist eine gute Nachricht für den Tierschutz und für Mecklenburg-Vorpommern. Fünf Jahre nach der Brandkatastrophe, bei der fast 50.000 Schweine qualvoll starben, endet damit eines der dunkelsten Kapitel der industriellen Tierhaltung in unserem Land.
Der Brand von Alt Tellin war kein tragischer Einzelfall, sondern hat die Risiken eines Systems offengelegt, das riesige Tierbestände auf wenige Standorte konzentriert. Wo Zehntausende Tiere in einer Anlage gehalten werden, wird jeder Brand zur Katastrophe. Die schrecklichen Bilder aus Alt Tellin haben gezeigt, dass Tiere in solchen Megaställen im Ernstfall praktisch keine Chance haben.“
Die Einführung einer neuen Brandschutzrichtlinie für Tierhaltungsanlagen in Mecklenburg-Vorpommern sei zwar ein Schritt in die richtige Richtung gewesen, doch es bedarf eines grundlegenden Kurswechsels, betont Terpe. Denn noch immer gebe es zahlreiche Regelungslücken auf Landes- und Bundesebene. Hinzu komme ein Mangel an Problembewusstsein und Transparenz. „Bis heute gibt es keine bundesweit verlässliche Statistik über Stallbrände und die Zahl der dabei verendeten Tiere. Wer Risiken wirksam reduzieren will, muss sie systematisch erfassen und auswerten.“
Terpe verweist darauf, dass die Ansiedlung solcher Großanlagen über Jahrzehnte politisch gewollt und mit öffentlichen Mitteln gefördert wurde: „Solange Tierhaltung vor allem unter dem Druck maximaler Kosteneffizienz organisiert wird, geraten Investitionen in Sicherheit, Tierwohl und Vorsorge ins Hintertreffen. Die industrielle Tierhaltung wird weiterhin durch Förderstrukturen begünstigt, die auf Größe statt auf Tierwohl setzen.
Alt Tellin muss das letzte Kapitel dieser Art in Mecklenburg-Vorpommern sein. Wir brauchen keine neuen Megaställe und keine Rückkehr zu den Fehlern der Vergangenheit. Wer aus Alt Tellin wirklich Konsequenzen ziehen will, muss den schrittweisen Ausstieg aus der industriellen Massentierhaltung voran treiben. Die Zeit der Megaställe in Mecklenburg-Vorpommern muss vorbei sein.“

Umwelt-
und landwirtschaftspolitischer Sprecher