An den Küsten, in den Boddengewässern und an vielen Seen Mecklenburg-Vorpommerns liegen derzeit tausende verendete Wildvögel auf zugefrorenen Wasserflächen oder treiben in offenen Eisstellen. Offizielle Zahlen gibt es bislang nicht, doch private Tierschützer*innen gehen allein auf Rügen von weit mehr als 10.000 toten Tieren aus. Die tatsächliche Zahl dürfte deutlich höher liegen. Auch andere Wildtiere sind durch die anhaltende Kälte, gefrorene Böden und fehlende Nahrungsquellen längst in Not geraten.
Dazu erklärt Dr. Harald Terpe, tierschutzpolitischer Sprecher der Landtagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: „Wenn tausende Wildvögel verenden und zuständige Behörden angesichts der anhaltenden frostigen Wetterlage achselzuckend auf den ‚Gang der Natur‘ verweisen, greift das viel zu kurz. Wir leben in einer vom Menschen stark veränderten Kulturlandschaft. Zerschnittene Lebensräume, versiegelte Flächen und der Verlust von Rückzugsräumen verschärfen die Folgen extremer Wetterlagen für Wildtiere erheblich. Diese Tatsache dürfen wir nicht ausblenden.“
Ganzjährige Wildtierhilfe muss finanziell und strukturell unterstützt werden
Zwar sind viele heimische Arten grundsätzlich an winterliche Bedingungen angepasst. Doch natürliche Nahrungsangebote werden immer knapper. Gefrorene Gewässer erschweren die Trinkwasserversorgung, fehlende Hecken und Strukturen rauben Tieren Schutz vor Kälte und Wind. Unter diesen Bedingungen wird ein strenger Winter schnell zur lebensbedrohlichen Ausnahmesituation.
Die Probleme für Wildtiere beschränken sich jedoch nicht auf die Wintermonate. In MV gibt es bis heute keine staatlich getragene Wildtierstation. Zoos lehnen die Aufnahme hilfsbedürftiger Wildtiere häufig ab, Tierheime sind dauerhaft an ihrer Belastungsgrenze. Die Versorgung verletzter oder verwaister Tiere ruht nahezu vollständig auf ehrenamtlichem Engagement und privaten Spenden – einschließlich der Tierarzt- und Futterkosten.
Menschliche Eingriffe verschärfen Not
Dabei handelt es sich oft um direkte Folgen menschlicher Eingriffe. Trotz Drohneneinsatz sterben nach Schätzungen der Wildtierhilfe MV jedes Jahr rund 26.000 Rehkitze bei der Mahd, hinzu kommen unzählige Feldhasen, Feldhamster, bodenbrütende Vögel und viele andere mehr. Greifvögel werden im Straßenverkehr verletzt, Igel durch Gartenmaschinen getötet.
Erweiterte Notzeit-Regelungen gefordert: Fütterung auch außerhalb der Wälder
„Es darf nicht sein, dass Ehrenamtliche diese gesamtgesellschaftliche Aufgabe allein schultern müssen“, so Terpe weiter. „Wir brauchen endlich eine verlässliche Unterstützung der Wildtierhilfe durch das Land – finanziell und strukturell. Dazu gehört auch, über erweiterte Notzeit-Regelungen nachzudenken, die nicht nur Waldbestände betreffen, sondern ausdrücklich auch anderen Wildtieren helfen, etwa durch praktikable Möglichkeiten zur unterstützenden Fütterung in Extremsituationen.“
Der Tierschutz ist als Staatsziel im Grundgesetz verankert und verpflichtet auch das Land zum Handeln. „Wildtiere sind Teil unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Gerade angesichts schrumpfender Bestände muss Mecklenburg-Vorpommern mehr Verantwortung übernehmen – im Winter und das ganze Jahr über“, so Terpe abschließend.

stellvertretender Fraktionsvorsitzender und tierschutzpolitischer Sprecher