8. Forstbericht MV // Dr. Terpe: „Ohne deutliche Beschleunigung bei Wiedervernässung und Waldmehrung bleibt der Wald in der Klimakrise Patient statt Retter“

Anlässlich der Beratung des 8. Forstberichts im Landtag zieht die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN eine gemischte Bilanz. Während Mecklenburg-Vorpommern bei der natürlichen Waldentwicklung bundesweit vorn liegt, bestehen bei der für die Klimaneutralität entscheidenden Waldmehrung und Moorwiedervernässung gravierender Handlungsbedarf.

Dr. Harald Terpe, umwelt- und klimapolitischer Sprecher der Fraktion, erklärt: 
„Dass inzwischen 12,5 Prozent unserer Wälder nutzungsfrei sind, ist ein Erfolg und übertrifft das bundesweite Fünf-Prozent-Ziel deutlich. Auch beim Wildnis-Ziel schneiden wir mit 1,47 Prozent der Landesfläche gut ab, auch wenn die angestrebte Zwei-Prozent-Marke noch nicht erreicht ist. Jetzt müssen diese Flächen dauerhaft rechtlich gesichert werden – gerade weil bereits über ein Viertel der Bäume deutliche Kronenschäden zeigt.“

MV’s Wald: Patient statt Retter in der Klimakrise?

Beim Klimaschutz sei die Lage jedoch „ernüchternd bis dramatisch“. Terpe weiter:
 „Für die Klimaneutralität brauchen wir laut Sektorstudie jährlich rund 2.000 Hektar neuen Wald, derzeit entstehen aber nur etwa 450 Hektar. Wenn Minister Backhaus nun lediglich 430 Hektar pro Jahr anpeilt, verabschiedet er sich vom Klimaziel. Wir brauchen deutlich mehr Waldmehrung und Naturverjüngung, um die durch die Klimakrise abnehmende Senkenleistung bestehender Wälder auszugleichen.“

Besonders kritisch bewertet Terpe die Defizite beim Waldumbau und Moorschutz. „14 Prozent unserer Wälder wachsen auf Moorstandorten. Um ihr CO₂-Potenzial zu heben, müssten jährlich etwa 3.500 Hektar Waldmoor wiedervernässt werden. Tatsächlich schafft die Landesforst aber nur rund 80 Hektar pro Jahr“, so Terpe. „Ohne wirksame Eindämmung des Wildverbisses – mit fast 35 Prozent der bundesweite Spitzenwert – und ohne deutliche Beschleunigung bei Wiedervernässung und Waldmehrung bleibt der Wald in der Klimakrise Patient statt Retter.“

„Klimaziele sind Gesetz – keine Empfehlung“

Terpe fordert daher: „Die Landesregierung muss endlich eine verbindliche Umsetzungsstrategie vorlegen. Es braucht einen konkreten Zeit- und Maßnahmenplan, wie die jährlich fehlenden 1.500 Hektar Neuwald sowie die Rückstände beim Moorschutz aufgeholt werden. Die Klimaziele sind Gesetz – keine Empfehlung.“


Hintergrund:

Der 8. Forstbericht (Drucksache 8/5525) zeigt, dass der Wald in MV weiterhin Kohlenstoff speichert, aber durch hohen Wildverbiss (34,8 Prozent) und 26,4 Prozent geschädigte Kronen stark unter Druck steht. Laut Sektorstudie zum Klimaschutzgesetz müssen bis 2045 rund 231.000 Hektar Landwirtschaftsfläche für Moore und neue Wälder umgenutzt werden. Die Landesregierung plant laut Forstbericht jedoch nur rund 430 Hektar Neuwald pro Jahr. Die neue Moorschutzstrategie bestätigt zudem, dass das Ziel von 49.000 Hektar Wiedervernässung bis 2020 mit bislang 14.950 Hektar klar verfehlt wurde.


Dr. Harald Terpe MdL
stellvertretender Fraktionsvorsitzender und umwelt- und klimapolitischer
Sprecher