Am 5. Februar 2025 berichtete das Nordmagazin von der Stellenkürzung in der Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt in Greifswald. Seit 2018 haben sich die Fallzahlen sexualisierter Gewalt gegen Kinder in Greifswald mehr als verdoppelt. Nach Aussage des Caritas-Regionalzentrums wären drei Vollzeitstellen notwendig, um den steigenden Bedarf zu decken. Stattdessen bleibt nun nur noch eine einzige Fachkraft, die sich um einen Teil der schwer traumatisierten Kinder kümmern kann.
Constanze Oehlrich, Vorsitzende und rechtspolitische Sprecherin der bündnisgrünen Landtagsfraktion, fordert angesichts der erneuten Verkleinerung des Hilfenetzwerks in Mecklenburg-Vorpommern eine deutliche Anhebung der Landesförderung:
„Kein Kind, das sexualisierte Gewalt erfahren hat, darf allein gelassen werden. Die Fallzahlen steigen seit Jahren – doch anstatt die Beratungsstellen mit mehr Personal auszustatten, wird ausgerechnet in diesem hochsensiblen Bereich gespart. Die Landesregierung muss die UN-Kinderrechtskonvention umsetzen und nicht nur die Festbeträge, sondern auch die Dynamisierung deutlich erhöhen. Wir brauchen mehr Fachkräfte, die selbstverständlich tariflich entlohnt werden müssen. Gute Arbeit braucht gute Löhne – dessen sollte sich Rot-Rot eigentlich bewusst sein.
Der Eigenanteil der Träger wird seit Jahren immer größer. Dass sie nun gezwungen sind, bei der Beratung für Betroffene sexueller Gewalt zu kürzen und das Justizministerium behauptet, diese Streichungen seien selbstgemachtes Unglück, ist nichts anderes als die völlige Verweigerung der eigenen Verantwortung.“
Auch Katharina Horn, Landesvorsitzende der Bündnisgrünen Mecklenburg-Vorpommern und Mitglied der Greifswalder Bürgerschaft, unterstreicht:
„Schwerst traumatisierte Kinder brauchen nicht nur unmittelbar nach der Tat Hilfe, sondern langfristige Begleitung. Zudem benötigen sie geschulte Lehrkräfte und Erzieher*innen, die sie auf ihrem weiteren Lebensweg unterstützen. Kürzungen in diesem Bereich dürfen wir nicht hinnehmen – nicht in Greifswald und nicht anderswo. Genau wie das Land müssen auch die Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern ihre Mittel deutlich erhöhen. Die soziale Infrastruktur trägt unsere Gemeinschaft. Von sexualisierter Gewalt Betroffene brauchen unsere volle Unterstützung.“
Hintergrund:
Entgegen der Darstellung des Justizministeriums gibt es seitens der Caritas keine Budgetkürzungen, sondern ein gleichbleibendes Eigenmittel-Budget, das für alle Dienste in Vorpommern ausreichen muss. Da der Träger in nahezu allen Diensten jedes Jahr höhere Eigenmittel aufbringen muss, weil es keine oder nur unzureichende Dynamisierungen der Fördermittel gibt, ist ein Personalabbau auf lange Sicht unvermeidbar. Dass beim LAGuS weniger Förderung beantragt wurde, liegt daran, dass aufgrund der Tarifentwicklung des TVöD Bund nur noch ein geringerer Teil des Personals eingesetzt werden kann. Zwar dynamisierte das Land seit 2018 den Festbetrag der Förderung um 2,3 Prozent, doch durch eine Richtlinienänderung und eine veränderte Berechnungsgrundlage in den Jahren 2021/2022 verschlechterte sich die Finanzierung erneut.

rechtspolitische Sprecherin