Angespannter Wohnungsmarkt // Oehlrich: „Bezahlbares Wohnen braucht verfügbare Wohnungen, faire Mieten und mehr Sozialbindungen“

Der „Soziale Wohn-Monitor 2026“ zeigt: Die Wohnungsfrage spitzt sich weiter zu – bundesweit und auch in Mecklenburg-Vorpommern. Innenminister Christian Pegel verweist auf günstige Bestandsmieten und eine vergleichsweise starke kommunale und genossenschaftliche Wohnungswirtschaft. Beides kann stabilisieren. Doch als politische Entwarnung taugt es nicht.

„Bestandsmieten bilden die Vergangenheit ab. Die soziale Realität entscheidet sich dort, wo Menschen heute eine Wohnung suchen: bei Neuverträgen, bei Umzügen und in Regionen mit angespanntem Wohnungsmarkt. Wer nur auf Durchschnittswerte verweist, redet an Azubis, Studierenden, Berufseinsteiger*innen, Alleinerziehenden und zunehmend auch Rentner*innen vorbei“, erklärt Constanze Oehlrich, Vorsitzende und wohnungspolitische Sprecherin der bündnisgrünen Landtagsfraktion.

Gerade in MV greift der Verweis auf günstige Bestandsmieten zu kurz. Wer wegen Ausbildung, Studium, Jobwechsel, Trennung oder Pflege umziehen muss, ist auf Angebots- und Neuvertragsmieten angewiesen – und hier wächst laut Studie die Lücke zu den Bestandsmieten deutlich. Hinzu kommt: Leerstand in ländlichen Räumen entlastet die Lage in Unistädten, Wachstumsregionen und Küstenorten kaum. Und selbst günstige Bestandsmieten helfen nicht, wenn Wohnungen nicht frei werden oder nicht zur Haushaltsgröße passen.

Warmmieten sind entscheidend – steigende Nebenkosten verschärfen Lage

Entscheidend ist zudem die Warmmiete. Während ostdeutsche Länder bei den Kaltmieten teils günstiger erscheinen, relativiert sich dieses Bild bei den Gesamtwohnkosten. Laut Studie liegen die Belastungen bundesweit eng beieinander – zwischen 33 und 36 Prozent des Nettoeinkommens. Steigende Nebenkosten und Wärmepreise, etwa bei Fernwärme und perspektivisch bei fossilen Heizungen, können vermeintlich günstige Kaltmieten vollständig aufzehren.

Dramatischer Rückgang bei Sozialwohnungen

Besonders dramatisch ist der Einbruch beim sozialen Wohnungsbau. In MV gibt es 2024 nur noch rund 2.600 Sozialwohnungen – etwa 0,5 Prozent der Mieter*innenhaushalte. Gleichzeitig fallen jährlich im Schnitt 1.449 Sozialbindungen weg, während 2024 lediglich 593 neue Sozialwohnungen hinzukamen. Instrumente wie der Ankauf von Belegrechten, mit denen andere Länder schnell zusätzliche Bindungen schaffen, nutzt MV bislang nicht. „ Dass mehr Sozialwohnungen wegfallen als neu entstehen, ist nicht hinnehmbar. Ohne Kurswechsel schrumpft das Angebot weiter – und der Druck auf Neumieterinnen steigt“, so Oehlrich.

Die bündnisgrüne Landtagsfraktion fordert verbindliche Ziele für neue Sozialbindungen, mindestens zum Ausgleich der jährlichen Verluste, mit einem klaren Fokus auf kleine und bezahlbare Wohnungen. Gleichzeitig müssen Warmmieten stärker in den Blick genommen werden: durch wirksame Maßnahmen gegen explodierende Nebenkosten, mehr Transparenz bei Heizkosten und eine Wärmewende, die Mieter*innen schützt. Energetische Sanierungen dürfen nicht zu Verdrängung führen.

„Bezahlbares Wohnen entsteht nicht durch schöne Durchschnittswerte, sondern durch real verfügbare Wohnungen, faire Neuvertragsmieten und mehr Sozialbindungen“, so Oehlrich abschließend.


Constanze Oehlrich MdL
Fraktionsvorsitzende und wohnungspolitische
Sprecherin