Haushaltberatungen im Bildungsausschuss // Wegner: „Bis zu 5.000 fehlende Hort-Fachkräfte in 2026 – Jetzt keine Fachkräfte auszubilden, ist schlicht fahrlässig“

Anlässlich der Doppelhaushaltes 2024/2025 fanden heute die ersten Beratungen im Bildungsausschuss statt. Entgegen der Position der Landesregierung warnt Jutta Wegner, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN MV, vor einem drohenden Personalmangel:

„Auch in den Ausschussberatungen zum Haushalt 24/25 wurde keinerlei Vorsorge erkennbar, um den Ganztagsanspruch ab 2026 qualitativ gut vorzubereiten. Nach Szenarien der Bertelsmann Stiftung könnten dann für ein gutes Angebot im Hort bis zu 5.000 Fachkräfte fehlen. Angesichts des dann greifenden Rechtsanspruchs auf einen Ganztagesplatz ist dieser aber dringend nötig. Selbst wenn alle Eltern, die heute insbesondere im ländlichen Raum keinen Hortplatz finden, weiterhin darauf verzichten, werden etwa 3.800 Fachkräfte fehlen. All dies geht aus verschiedenen Szenarien des Fachkräfteradars der Bertelsmann Stiftung hervor.

Die Landesregierung verweist in der Antwort auf die Kleine Anfrage der Bündnisgrünen auf ein unwahrscheinliches Szenario des Fachkräfteradars mit vielen Unwägbarkeiten: Dabei bliebe sowohl der Betreuungsschlüssel bei einer gleichbleibend schlechten Relation von 1:22, 25 Prozent der Kinder nehmen weiterhin keine ganztägige Förderung in Anspruch und es werden keine bundeseinheitlichen Standards eingeführt – kurz: Es wäre der schlechteste Fall. Das ist weder nachhaltig noch vorausschauend.

Mecklenburg-Vorpommerns Kinder und Jugendlichen schneiden in Bildungsstudien immer schlechter ab. Wir haben noch drei Jahre Zeit, weitere Erzieher*innen auszubilden. Die Landesregierung muss jetzt aktiv werden, damit wir 2026 dem Rechtsanspruch gerecht werden können. Kinder brauchen einen funktionierenden Ganztag und eine individuelle Unterstützung bei den Hausaufgaben und der Klausurvorbereitung, um die Lernrückstände durch die Corona-Pandemie aufzuholen und die Eltern zu entlasten. Jetzt keine Fachkräfte für das Ganztagsrecht ab 2026 auszubilden, ist schlicht fahrlässig und wird zu zahlreichen Klagen führen.“


Hintergrund:

In der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zur Erzieher*innenausbildung in Mecklenburg-Vorpommern (S. 7) erklärte die Landesregierung am 10.08.2023, dass mit der Einführung des Ganztagesrechtsanspruches ab dem Jahr 2026 ihrer Ansicht nach kein zusätzlicher Fachkräftebedarf ausgelöst werde.


Hinweis:

Fachkräfteradar der Bertelsmann Stiftung 2022 (S. 27)


Jutta Wegner MdL
Bildungspolitische Sprecherin