Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung darf nicht als Schmalspurvariante ausgestaltet werden. Davor warnt Jutta Wegner, Parlamentarische Geschäftsführerin und bildungspolitische Sprecherin der bündnisgrünen Landtagsfraktion. Anlass ist der Kabinettsbeschluss der Landesregierung über Änderungen des Kindertagesförderungsgesetzes.
Rechtsanspruch kommt – Qualitätsfrage bleibt offen
„Ganztag ist kein Aufbewahrungsprogramm für die Kinder berufstätiger Eltern. Ganztag entscheidet über Bildungschancen, über gesellschaftliche Teilhabe und über den Alltag von Kindern. Wer hier nur das gesetzliche Minimum organisiert, verspielt enormes Potenzial“, so Wegner. Mit dem geplanten Gesetz werde zwar ein Rechtsanspruch umgesetzt, doch die Landesregierung mache daraus in erster Linie ein Verwaltungsprojekt. „Was Kinder brauchen, ist Qualität, Verlässlichkeit und gute Bildung. Der vorgelegte Rahmen bleibt deutlich hinter diesen Anforderungen zurück.“
Ergebnisse des Runden Tisches kaum berücksichtigt
Besonders kritisch bewertet Wegner, dass zentrale Ergebnisse des Runden Tisches Ganztag im Gesetzentwurf kaum berücksichtigt wurden. Am Runden Tisch hatten Kommunen, Schulen, Horte, Verbände sowie Fachpraxis daran gearbeitet, wie ein guter Ganztag in Mecklenburg-Vorpommern aussehen soll. „Diese gemeinsame Arbeit einfach zu ignorieren, ist respektlos gegenüber allen Beteiligten und ein Risiko für die Qualität von Anfang an.“
Aus Sicht der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN reicht ein Ganztag, der sich allein über Stunden definiert, nicht aus. Entscheidend seien verbindliche Qualitätsstandards. Dazu gehörten ausreichend Zeit für Bewegung, eine gesunde Verpflegung, Erholungsmöglichkeiten sowie kindgerechte Förderung. Ebenso müsse die Verantwortung für den Ganztag klar geregelt sein. Ohne eine pädagogische Steuerung durch die Schule drohe ein unübersichtlicher Flickenteppich unterschiedlicher Zuständigkeiten.
Darüber hinaus müsse der Ganztag konsequent inklusiv gedacht werden. Gerade Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf dürften nicht erneut durchs Raster fallen, sondern benötigten verlässlich angebundene und gut ausgestattete Angebote.
Fraktion bringt Landtagsantrag für „starken Ganztag“ ein
Die Fraktion kündigt an, einen eigenen Antrag mit dem Titel „Starker Ganztag für Mecklenburg-Vorpommern“ in den Landtag einzubringen. Ziel sei es, den Ganztag von Beginn an kindgerecht, qualitativ hochwertig und verbindlich auszugestalten – so, wie es am Runden Tisch gemeinsam erarbeitet wurde.„Der Rechtsanspruch kommt. Entscheidend ist, ob er für alle Kinder zu einem echten Gewinn wird oder zu einem ambitionslosen Kompromiss. Wir werden uns dafür einsetzen, dass er ein Gewinn wird“, so Wegner abschließend.

Parlamentarische Geschäftsführerin und
bildungspolitische Sprecherin