Die vom Bundesverband Windenergie Offshore veröffentlichte neue Studie zur Wertschöpfung der Offshore-Windenergie zeigt die wirtschaftliche Bedeutung der Branche und ihr weiteres Ausbaupotenzial. Für Mecklenburg-Vorpommern weist sie bereits heute 1.843 Vollzeitäquivalente und 791 Millionen Euro Umsatz aus. Bundesweit verweist sie auf erhebliches Entwicklungspotenzial bis hin zu einer nahezu vierfachen Steigerung bei Beschäftigung und Wertschöpfung.
„Offshore-Wind ist längst kein Randthema mehr, sondern ein zentraler Industrie- und Wirtschaftsfaktor, macht die Studie deutlich. Gerade für Mecklenburg-Vorpommern zeigen die Zahlen, dass schon heute erhebliche Wertschöpfung und Beschäftigung an diesem Ausbau hängen“, erklärt Jutta Wegner, energiepolitische Sprecherin der Landtagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Mecklenburg-Vorpommern.
Daraus folgt ein klarer Handlungsauftrag für das Land. Offshore-Wind ist für Mecklenburg-Vorpommern nicht nur energiepolitisch relevant, sondern auch für Häfen, maritime Wirtschaft, Zulieferer, Logistik und Netzinfrastruktur. Zugleich legt die Studie nahe, dass die Offshore-Wertschöpfung in Ostdeutschland insgesamt noch ausbaufähig ist und mehrere ostdeutsche Länder bislang nur begrenzt beteiligt sind.
„Mecklenburg-Vorpommern ist bereits ein wichtiger Offshore-Standort und muss sich jetzt einen deutlich größeren Anteil an Wertschöpfung und Industrie sichern. Wenn das gelingt, kann davon auch Ostdeutschland insgesamt profitieren“, so Wegner.
Gerade deshalb wiegt der Widerspruch in der Landespolitik schwer. Wer Offshore-Wind jahrelang als Alternative zum Ausbau an Land propagiert hat, muss die dafür nötigen Flächen auch planerisch sichern. Die fehlende Ausweisung zusätzlicher Offshore-Flächen im Landesentwicklungsprogramm (LEP) spricht eine andere Sprache.
Die energiepolitische Sprecherin kritisiert: „Wer Offshore-Wind immer wieder als Alternative zum Ausbau an Land anpreist, darf die dafür notwendigen Flächen im LEP nicht ausblenden. Genau darin liegt der Widerspruch der Landesregierung: Sie betont das Potenzial auf See, schafft aber nicht die planerischen Voraussetzungen dafür. So werden wirtschaftliche Chancen, industrielle Entwicklung und Klimaschutz zugleich ausgebremst.“
Für einen erfolgreichen Ausbau braucht es neben ausreichenden Flächen verlässliche Rahmenbedingungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von Hafeninfrastruktur und Logistik bis zur Fachkräftesicherung. Denn für Mecklenburg-Vorpommern geht es nicht nur um zusätzliche Stromerzeugung, sondern auch um industrielle Entwicklung.„
Jetzt entscheidet sich, ob Mecklenburg-Vorpommern beim Offshore-Ausbau nur Stromstandort bleibt oder zum Industriestandort wird. Dafür braucht es starke Häfen, verlässliche Infrastruktur, genügend Fachkräfte und eine Politik, die Wertschöpfung im Land gezielt entwickelt“, betont Wegner.
Das gilt auch für den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft. Grüner Wasserstoff braucht große Mengen erneuerbaren Stroms – verlässlich, planbar und in industriellem Maßstab. Offshore-Wind ist dafür ein zentraler Baustein. Hinzu kommt die europäische Dimension: Mecklenburg-Vorpommern muss sich entscheiden, ob es seine Rolle im Ostseeraum aktiv ausfüllen und sich auch bei spezialisierter industrieller Fertigung etwa von Monopiles oder Konverterplattformen stärker positionieren oder sich aus dieser Entwicklung selbst herausplanen will.
„Wer H₂-Standorte, Elektrolyse und neue Industrieansiedlungen in Mecklenburg-Vorpommern will, muss deshalb auch die nötigen Flächen für Offshore-Wind sichern. Entscheidend ist, dass Offshore-Ausbau, industrielle Entwicklung und die Zusammenarbeit im Ostseeraum endlich konsequent zusammengedacht werden“, so Wegner abschließend.
Hintergrund:
Pressemitteilung des Bundesverbandes Windenergie Offshore (BWO) zur Wertschöpfung der Offshore-Windenergie in Deutschland, regionalen Verteilung und Entwicklung der Marktteilnehmer und Arbeitsplätze: https://bwo-offshorewind.de/pressemitteilung-offshore-windenergie-schafft-ueber-31-000-vollzeitstellen-und-146-milliarden-euro-wertschoepfung-in-deutschland/
Trend:research über Wertschöpfungspotenziale der Wasserstoffproduktion und Offshore Windenergie in Norddeutschland: https://www.windresearch.de/download/230216_Brosch%C3%BCre_Wasserstoff_H2_Norddeutschland_druck.pdf

Parlamentarische Geschäftsführerin und
energiepolitische Sprecherin